Handwerk vor Tempo
Kein Termin bei uns dauert unter 35 Minuten, weil ein guter Schnitt nicht schneller geht. Wenn der Laden voll ist, verkürzen wir lieber die Öffnungszeiten als die Termine.
Gidaren München ist ein Barbershop mit zwei Stühlen an der Werner-von-Siemens-Straße. Wir schneiden seit 2011 ohne Franchise-Vorgaben und ohne Terminhatz.
Der Laden ist nicht größer geworden und soll es auch nicht. Was sich geändert hat, sind die Stühle, die Stammkunden und die Anzahl der Bärte, die wir in dieser Zeit in Form gebracht haben.
Ein Barbershop mit fünf Stühlen und zwölf Angestellten funktioniert anders als einer mit zwei Stühlen und drei Barbieren. Beides ist legitim, aber wir haben uns bewusst für das Kleinere entschieden.
Der Grund ist einfach: Wer jeden Tag zwölf Leute schneidet, kennt irgendwann weder die Gesichter noch die Haare. Marek schneidet 2024 selbst noch etwa sechzig Prozent der Termine, und das ist Absicht. Wenn ein Kunde seit acht Jahren kommt und einen Wirbel hat, der nur an einer bestimmten Stelle funktioniert, dann ist das Wissen darüber mehr wert als jede zweite Filiale.
Wir haben uns auch gegen die üblichen Zusatzgeschäfte entschieden. Kein Merch, keine Bartpflege-Eigenmarke, kein Whisky-Regal, keine Fotobox. Wir verkaufen, was wir im Laden selbst benutzen. Wenn wir etwas nicht selbst verwenden würden, kommt es nicht ins Regal.
Diese Seite ist bewusst keine Selbstbeweihräucherung. Wer in einem Barbershop sitzt, will wissen, wer die Person mit der Schere ist. Deshalb steht hier auch, was bei uns nicht gut läuft, nicht nur das, was gut läuft.
Kein Termin bei uns dauert unter 35 Minuten, weil ein guter Schnitt nicht schneller geht. Wenn der Laden voll ist, verkürzen wir lieber die Öffnungszeiten als die Termine.
Wenn ein Bart oder eine Frisur zu dir nicht passt, sagen wir es. Das kostet uns Umsatz, aber es gewinnt mehr, als es kostet. Kein Kunde kommt gerne zweimal, um etwas zu korrigieren, das von Anfang an nicht funktioniert hat.
Wir reservieren keine Termine für Laufkundschaft. Wer anruft und zwei Wochen im Voraus bucht, hat den Slot, und wer spontan reinkommt, wird nur angenommen, wenn noch Platz ist.
Marek hat 2008 als Friseur in der Maxvorstadt angefangen. Nach drei Jahren war klar, dass er das anders machen will, und 2011 wurde Gidaren eröffnet.
Die ersten zwei Jahre waren hart. Ein Laden mit zwei Stühlen in der Werner-von-Siemens-Straße, in einer Ecke, wo damals vor allem Kanzleien waren. Die ersten Stammkunden kamen aus den Kanzleien im Haus, weil sie was Kürzeres haben wollten als die Frisur vom Friseur an der Ecke. Aus diesen zwanzig Leuten sind über die Jahre fast dreitausend geworden.
Marek fängt als Friseurgeselle in der Maxvorstadt an. Erste Erfahrungen mit Männerhaarschnitten, die länger als 20 Minuten dauern dürfen.
Eröffnung von Gidaren an der Werner-von-Siemens-Straße mit zwei Stühlen, einem Becken und einem Kundenstamm, der komplett in einen mittelgroßen Kleintransporter passt.
Elias Brandner kommt dazu. Der Laden bleibt bei zwei Stühlen, aber das Konzept Barbershop (mit Bart und Rasur) wird zum Hauptgeschäft.
Tomasz Wielgosz wechselt von einem Friseursalon in Krakau nach München. Erster Umbau der Theke, dazu ein Online-Buchungssystem, das bis heute läuft.
Corona-Jahr. Wir machen elf Wochen zu, verschieben 780 Termine, und verlieren in dieser Zeit drei Stammkunden, die beruflich umgezogen sind. Alle anderen kommen wieder.
Sophie Hartmann übernimmt den Empfang. Der Laden hat jetzt drei Barbiere statt zwei und die Warteliste für Samstags ist konstant sechs Wochen lang.
Zahlen sind nicht alles, aber sie zeigen zumindest, dass wir nicht jeden Monat neue Kunden brauchen, um zu überleben.
2019 wurden wir in einer München-Umfrage unter die fünf besten Barbershops der Stadt gewählt. Das war keine bezahlte Auszeichnung, sondern das Ergebnis einer Leserwahl. Wir haben das nie auf Instagram gepostet, weil es irgendwie nicht in unsere Art passt.
2022 kam die Anfrage, ob wir eine zweite Filiale in Schwabing aufmachen wollen. Wir haben abgelehnt. Nicht aus Prinzip, sondern weil wir wussten, dass wir dann in beiden Läden nicht mehr dieselbe Arbeit machen würden.
Der größte Fehler in den ersten Jahren war, jeden Kunden so schneiden zu wollen, wie er auf Instagram aussieht. Heute sagen wir klar, wenn das bei ihm nicht funktioniert. Das hat uns etwa zehn Prozent der Laufkundschaft gekostet und ungefähr doppelt so viel Stammkundschaft gebracht.
Der zweite Fehler war, zu glauben, Terminvergabe würde sich von selbst regeln. Seit 2018 arbeitet bei uns jemand fest am Empfang, und seitdem hört die Terminpanik am Samstag auf.
Ein paar Ergebnisse aus den letzten Monaten. Alles reale Kunden, alles mit Erlaubnis fotografiert, alle Gesichter bewusst nicht gezeigt.
Kernleistung
Der Schnitt, mit dem fast alle anfangen. 45 Minuten mit Schere, Konturen mit dem Messer, heiße Handtücher und Finishing.
Spezialität
Bartform nach Gesicht, Konturen mit dem Messer, Handtuch und Pflegeprodukt zur Übergabe. Oft mit Haarschnitt kombiniert.
Vier Personen, drei davon mit Schere in der Hand. Alle seit mindestens zwei Jahren dabei, was in dieser Branche ungewöhnlich ist.
Inhaber & Barbier
Der Gründer. Seit 2008 am Stuhl, 2011 den Laden eröffnet. Spezialisiert auf Klassik und auf Kunden mit schwieriger Kopfhaut.
Barbier · Bart
Münchner, seit 2014 im Team. Der Mann für Bärte mit schwieriger Wangenlinie. Arbeitet deutlich ruhiger als Marek, was nicht negativ gemeint ist.
Barbier · Klassik
Seit 2018 dabei. Hat in Krakau gelernt und bringt die osteuropäische Tradition mit, Side Part wirklich mit der Schere zu bauen.
Empfang & Termine
Seit 2024 fest im Laden. Nimmt Anrufe an, verschickt SMS-Erinnerungen und schafft es, dass Samstag nicht mehr eskaliert.
Der schnellste Weg ist ein Anruf. Wenn niemand ans Telefon geht, sind wir am Schneiden, also einfach nochmal probieren oder eine Mail schreiben. WIr antworten innerhalb von zwei Stunden, solange der Laden offen ist.
Details zu Öffnungszeiten, Anfahrt und Terminvergabe stehen in den AGB und in der Datenschutzerklärung.